Seite 1 von 1

Revolution, die globale Vernetzung!

Verfasst: Sa Jun 20, 2026 10:49 am
von root
Angesichts der m.E. hilf- und fruchtlosen Debatte um die Krise der Linken möchte ich einen neuen Aspekt in die Diskussion werfen.

Meine These:
Die proletarische Revolution liegt hinter uns, der moderne Nationalstaat, der facettenreich heute in rund 200 Varianten das Bild der Weltgemeinschaft bestimmt, ist ihr Ergebnis. D.h. die Nationalstaaten verkörpern die Diktatur der Arbeiterklasse, den Sozialismus.
Marxistisch ausgedrückt, also gemäß der materialistischen Geschichtsauffassung, befinden wir uns in der Epoche des Übergangs von Sozialismus zum Kommunismus.

Die Aufgabe heutiger Revolutionäre wäre es, an der Überwindung dieser „sozialistischen“ Vielstaaterei zu arbeiten, um die Befreiung des Menschen von der institutionalisierten Vereinnahmung durch den Staat zu erreichen. Auch der Staat (ob proletarisch oder kapitalistisch) verkörpert eine Herrschaftsform, die die individuelle Entwicklung, also die Persönlichkeitsentfaltung des Menschen hemmt. Eine „individuelle“ Persönlichkeitsentfaltung, die Entwicklung aller persönlichen Fähigkeiten ist nur möglich ohne institutionalisierte Vereinnahmung. Solange der einzelne Mensch einem Volk, resp. Nationalität, einem Clan, u.ä. angehören muss, kann er sich nicht frei entwickeln.
Was die Menschen trennt, sind die unterschiedlichen Staatsdoktrinen, die ihrerseits notwendig sind, um sich als Nation von anderen zu unterscheiden. Der Lösung globaler Probleme stehen nicht Wissenschaft oder Einsicht im Wege, sondern egoistische nationale, institutionalisierte Interessen.

Im folgenden Text beleuchte ich fundamentale Positionen der Linken Marxistischen Theorie.


1. Der Staat als ideeller Gesamtkapitalis
Wann und wo die Darstellung des Staates als ideeller Gesamtkapitalist als Erstes aufkommt, lässt sich schlecht sagen. Marx nutzt diese Metapher nicht, die älteste Quelle scheint von Engels zu sein:
Aber weder die Verwandlung in Aktiengesellschaften und Trusts noch die in Staatseigentum hebt die Kapitaleigenschaft der Produktivkräfte auf. Bei den Aktiengesellschaften und Trusts liegt dies auf der Hand. Und der moderne Staat ist wieder nur die Organisation, welche sich die bürgerliche Gesellschaft gibt, um die allgemeinen äußern Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise aufrechtzuerhalten gegen Übergriffe sowohl der Arbeiter wie der einzelnen Kapitalisten. Der moderne Staat, was auch seine Form, ist eine wesentlich kapitalistische Maschine, Staat der Kapitalisten, der ideelle Gesamtkapitalist. Je mehr Produktivkräfte er in sein Eigentum übernimmt, desto mehr wird er wirklicher Gesamtkapitalist, desto mehr Staatsbürger beutet er aus. Die Arbeiter bleiben Lohnarbeiter, Proletarier. Das Kapitalverhältnis wird nicht aufgehoben, es wird vielmehr auf die Spitze getrieben. Aber auf der Spitze schlägt es um. Das Staatseigentum an den Produktivkräften ist nicht Lösung des Konflikts, aber es birgt in sich das formelle Mittel, die Handhabe der Lösung.
(Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft. Geschrieben von Januar bis Mitte März 1880)

Der „moderne“ Staat, den F. Engels als ideellen Gesamtkapitalisten betrachtete, war ein Gebilde, das sich vor 140 Jahren zu entwickeln begann. Heute, mit dem Wissen von 140 Jahren Geschichte im Gepäck, sollte man Engels korrigieren, anstatt ihn zu adaptieren.
Übersetzt man den ideellen Gesamtkapitalisten, dem in linken Publikationen regelmäßig ursächliche Absichten für bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen unterstellt werden, mit nationalstaatlichen Interessen, dann ergibt sich quasi von selbst ein revolutionäres Angriffsziel.
Es ist nicht mehr eine unangreifbare, weil ideelle Erscheinung, sondern eine greifbare und formbare menschengemachte, irdische Einrichtung, nämlich der Nationalstaat.
Die Idealisierung der nationalen Wirtschaft bzw des gesamten gesellschaftlichen Lebens als Gesamtkapitalist, eliminiert die spezifischen Interessen der einzelnen „Kapitalisten“ bzw. Unternehmen. Unternehmen die für den nationalen Markt produzieren haben andere Interessen als Exportabhängige Unternehmen. Auf Konsumprodukte orientierte Betriebe haben andere Interessen als Betriebe die Investitionsgüter herstellen.
Jeder Nationalstaat beherbergt nicht nur die nationale Wirtschaft, also das nationale „Kapital“, sondern auch das nationale „Proletariat“, die nationalen Erwerbstätigen. Daher werden die Interessenkonflikte zwischen nationalem Kapital und nationalem Proletariat innerhalb der Nation von der nationalen Politik begleitet. Wobei der Staat von „Linksrevolutionären“ auch heute noch regelmäßig als ideeller Gesamtkapitalist aufgefasst wird, der die nationalen Arbeiter ausbeutet oder doch die Grundlage für deren Ausbeutung schafft.
Die (revolutionäre) Linke hat sich daran gewöhnt die nationalen Strukturen anzugreifen, die ihr unsozial, ungerecht erscheinen. Der Nationalstaat selber war selten, ist nicht Gegenstand kritischen Denkens.
Dabei wurden und werden die Konflikte im Inneren eines Nationalstaates teilweise mit einer Radikalität angegangen, als ginge es um die Weltrevolution, aber alles kritische Denken, die kritische Soziologie, die kritische Philosophie befassen sich ausschließlich mit den Zuständen innerhalb eines Nationalstaates, als gäbe es die Welt außerhalb nationalstaatlicher Grenzen nicht mehr.
Dafür, dass in „marxistischer“ Theorie auch heute noch alle staatliche Handlung ausschließlich als dem Kapital fördernd dargestellt wird, gibt es zahllose Beispiele, ich verlinke hier beispielhaft den Artikel „Ideeller Gesamtkapitalist – Sozialstaat

(Der Bürgerliche Staat, Resultate Verlag, München 1979 )
https://de.gegenstandpunkt.com/kapitel/ ... ozialstaat

„Um die Verursacher der Schäden (die Industrie) nicht zu schädigen, erhält der Staat durch seine eigenen Umweltschutzbemühungen mit gesellschaftlichen Mitteln dem Kapital eine brauchbare Natur und seinen Bürgern grüne Träume.“
(…)
Die Gefährdung der Reproduktion durch den Zeitaufwand, den die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte kostet, verlangt vom Staat besondere Aufmerksamkeit beim Ausbau des Verkehrsnetzes.
(…)
Da der Staat die Lohnabhängigen permanent den gesellschaftlichen Ursachen des Krankwerdens aussetzt und sie zugleich aufs Gesundsein verpflichtet, muss er die Einrichtungen bereitstellen, derer die Kranken bedürfen, um wieder arbeitsfähig zu werden:
(…)
Die vielfältigen und als Fortschritt des Kapitalismus gepriesenen Schutzmaßnahmen tragen allesamt dem Kriterium der öffentlichen Macht Rechnung, das diese befolgt, wenn sie sich zu Sonderrechten für Lohnabhängige entschließt: die Auswirkungen der Lohnarbeit müssen dort ihre Grenze haben, wo sie als eine Weise der Reproduktion unmöglich wird, ein „soziales Problem“ darstellt, ohne dass sie Nutzen bringt.
(…)


Laut dieses Artikels geschieht in der realen Staatspolitik nichts, was nicht explizit dem Kapital dient und die Ausbeutung verewigt.
Durch die Interpretation des Staates als ideellen Gesamtkapitalisten scheint der Kapitalismus seit 2 Jahrhunderten stetig sich in neue Gewänder zu kleiden und nicht wie er es eigentlich laut marxistischer Theorie tun müsste, an seinen inneren Widersprüchen zugrunde zugehen. Immer wieder entwischt er dem sicher geglaubten Untergang.

2. Der Staat als Proletarischer Staat

Aber ließe sich nicht auch, da der Staat sich auf eine Klassengesellschaft aufgepfropft hat, umgekehrt argumentieren?

Der Staat als Verwalter proletarischer Interessen entzieht der Kapitalakkumulation so viel Mehrwert als möglich um diesen in Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Altersvorsorge usw. zu investieren.
Die Unternehmen sind quasi zu Melkkühen der proletarischen Gemeinschaft degradiert. Sie dürfen auf dem Feld grasen, am Salzstein lecken und bekommen frisches Stroh in ihren Stall, sie können ein gewisses Maß an Freiheit genießen, aber morgens und abends wird gemolken.
Der politische Disput im Nationalstaat bewegt sich dann nur um den Spielraum unternehmerischer Freiheiten hier und dem Umfang des vom Staat eingesackten Mehrwerts dort. Diesen Kampf auszufechten gibt es unterschiedliche politische Systeme, von Demokratie bis sozialistische Planwirtschaft.
Die von Rosa Luxemburg Friedrich Engels zugeschriebene Aussage „die bürgerliche Gesellschaft steht vor einem Dilemma: entweder Übergang zum Sozialismus oder Rückfall in die Barbarei“ müsste dahingehen korrigiert werden, dass Sozialismus die Barbarei heraufbeschwört.
Der Zusammenhalt und die Förderung der nationalen Gemeinschaft sind ja nicht, wie am gewärtig um sich greifenden Neoliberalismus erkennbar, im „Kapitalinteresse“.
Der Nationalstaat wäre gemäß meiner Interpretation „Sozialistisch“ also eine Diktatur und es wäre die „nationale Arbeiterklasse“ die ihr Reich vor Eindringlingen schützt. Die Euphorie, mit der die Menschen 1914 in den Krieg zogen, ließe sich so viel besser verstehen, als anzunehmen, dass das revolutionäre Proletariat sich habe blenden lassen. Auch der Nationalsozialismus wäre eher verständlich, wenn den proletarischen Idealen der Nationalismus zugerechnet würde, als wieder anzunehmen, die revolutionäre Klasse sei übertölpelt worden.

Im sozialistischen Staat wird die Arbeit zum Ideal erhoben und der Mensch wird geformt, ihm werden individuelle Flausen ausgetrieben, Bildung bedeutet hier nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch die Formung des Staatsbürgers. (Überwachung des Menschen, Bekämpfung der Individualität, um die nationale Gemeinschaft zu erhalten, also alle Themen der Soziologie und Philosophie).
Wie werden Menschen geformt, damit sie sich gegenseitig abschlachten, weil die einen Ukrainer die anderen Russen sind? Das ist ein Prozess, der von Kindheit bis zum Erwachsenenalter schmerzliche Prozeduren aller Art beinhaltet.
Also auch hinsichtlich der Erziehung des Menschen zum Staatsbürger scheint diese proletarische Ausrichtung des Staates eher zu passen und sie erklärt die aktuellen weltpolitischen Ereignisse erheblich besser, als die erste Variante.
Denn die Weide, auf der die Unternehmen grasten, wurde vom Nationalstaat eingezäunt und gab ihnen daher nur Freiheit in den engen Grenzen, die der „proletarische“ Staat zuließ.
Mit der Globalisierung wandelt sich die Macht des Bauern zur Ohnmacht. Seine Kühe verlassen seine Weide und treiben sich überall herum, fressen, was sie wollen und kommen zum Melken nicht mehr in den Stall, während sich auf seiner Weide zunehmend fremde Kühe und andere Viecher fett fressen.
Die Globalisierung zerstört die gewohnten, national determinierten Organisationsstrukturen. Ein Staat, als ideeller Gesamtkapitalist, würde in die Hände klatschen und sich freuen, endlich die Last der sozialen Verantwortung abgeben zu können.
Anders ein Staat, der das freie Unternehmertum an einer langen Leine hält, die nun droht zu zerreißen. Dem Staat gehen die Einnahmen flöten, die er zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards der Bevölkerung dringend benötigt.
Kurz es wäre durchaus eine Variante den Staat als ideelles Gesamtproletariat zu betrachten ?? und wir uns im Zeitalter des Sozialismus befänden.
Hier erklärt sich dann auch die Vorstellung, nach der die BRD zur DDR2.0 mutieren würde. (Konkret Tellkamp)

Das eigentliche Problem an den gesellschaftskritischen Auseinandersetzungen z.B. der Frankfurter Schule wäre dann nicht, dass sie vielleicht fehlerhaft sein könnten, sondern dass sie sich irrtümlich auf ein scheinbar kapitalistisches System beziehen. Etwas abschaffen zu wollen, das nicht mehr da ist, die Gegenwart völlig falsch zu interpretieren, kann nicht von Erfolg gekrönt sein.

Während die Linke sich also mit den inneren Problemen und Ungerechtigkeiten eines Staats befasst, ist sie in seinen Außenbeziehungen zu anderen Nationalstaaten, in der Regel unkritisch.
Zielvorstellungen und Zukunftsvisionen beschränken sich, wo nicht einfach lapidar eine Revolution gefordert wird, auf den unkonkreten Wunsch nach Aufbau einer besseren, menschlicheren Gesellschaft. Dieser Wunsch richtet sich dann auf die eigene Nation, d.h. die Kampfkraft versandet in den eigenen 4 Wänden, was eigentlich jedem Revolutionär übel aufstoßen sollte.

Eine menschlichere Gesellschaft-was auch immer das genau sein soll-, gibt es nur unter der Prämisse, dass alle Menschen eingeschlossen werden. Die Erde ist rund, und darum brauchen wir globale Lösungen. Hierbei hindern die Nationalstaaten jeden Schritt. Ob globale Migration, Klimawandel, Artensterben, globale Armut nirgendwo sind reale Tendenzen erkennbar, die die Nationalstaaten zur Gemeinsamkeit bewegen. Im Gegenteil, die divergierenden nationalstaatlichen Interessen führen überall auf dem Globus zu Konflikten, zu Krieg und Vertreibung.
Die rund 200 unterschiedlichen Nationen werden niemals gemeinsam in der Lage sein, globale Probleme zu lösen. Sie sind im Gegenteil die Ursache für die meisten Probleme. Daher ist es erstaunlich, dass sich neben dem rechten Neonationalismus keine linke globale Perspektive auftut, sondern maximal ein linker Neonationalismus. Die größte Herausforderung unserer Zeit stellt daher die Überwindung der nationalstaatlichen Organisation der Weltgemeinschaft selbst dar.

3.Weltrevolution
Eine proletarische Weltrevolution, die diesen nationalstaatlichen Plunder zur Seite fegt, wird es schon mangels Proletariat nicht geben. Auch wenn es immer wieder Versuche gibt, das Proletariat dem Umfang nach zu erhalten resp. zu vergrößern, indem ihm alle möglichen Erwerbstätigen zugerechnet werden.

Exemplarisch:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/fors ... hrhundert/
„Die Machtlosigkeit der Arbeiterklasse im 21. Jahrhundert
Cain Shelley, britischer Politikwissenschaftler, beschäftigt sich als Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften mit dem Thema »A Class For Itself?: The Future of Class Politics«
„Ich will nicht leugnen, dass sich die Gesellschaften seit der industriellen Revolution dramatisch verändert haben, aber ich versuche in meiner Arbeit zu argumentieren, dass es dennoch ein Fehler wäre, die Sprache der Klasse aufzugeben.
Trotz vieler signifikanter Veränderungen können wir immer noch verschiedene Gruppen von Individuen beobachten, die bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen in ihren Gesellschaften über sehr unterschiedliche Macht verfügen“, betont Shelley. Wenn man an Menschen denke, die als Lehrkräfte, Busfahrer, Postangestellte, Krankenhausträger, Barpersonal, Reinigungskräfte, Bauarbeiter, Supermarktkassierer, Lagerarbeiter usw. arbeiten, so müsse man sehen, dass diese Menschen im Allgemeinen eine produktive Tätigkeit unter hochgradig routinierten und standardisierten Bedingungen ausübten, aber nicht über die Macht verfügten, sich aus dem Produktionsprozess zurückzuziehen.

„Diese Personen leiten, kontrollieren oder verwalten auch niemanden sonst im Produktionsprozess und werden einfach von anderen geleitet und verwaltet. Menschen, die in solchen Rollen arbeiten, bilden meiner Ansicht nach die Arbeiterklasse des 21. Jahrhunderts in ‚fortgeschrittenen kapitalistischen‘ Gesellschaften – im Unterschied sowohl zur Mittelklasse als auch zur Kapitalistenklasse, die sehr unterschiedliche Macht über den wirtschaftlichen Produktionsprozess besitzen.“
Wer auf eine proletarische Weltrevolution setzt, z.B. die nicht aussterben wollenden K-Gruppen, muss alles dafür tun das Proletariat zu erhalten. Proletarier sind ihnen das Symbol für Revolution und Zukunft. Darum wird alles, was 2 Beine hat und sich nicht wehren kann, in die Arbeitertüte gepackt.

Marx hatte vor bald 200 Jahren das Proletariat nicht als die revolutionäre Klasse identifiziert, weil keine andere zur Verfügung stand oder weil es die Klasse war die zunehmend das Alltagsbild bestimmte, sondern weil die gemeinschaftliche Arbeit in der Industrie dem Proletarier tagtäglich vor Augen führte wie die Gesellschaft als Ganzes funktioniert.
Die Proletarier erstellten als Gemeinschaft ein Produkt, jeder macht einen Teil, und am Ende ist ein komplexes Ding entstanden. Über diese besondere tägliche Arbeitssituation, die das gesellschaftliche Leben direkt widerspiegelt, entwickelt die Arbeiterklasse ein spezifisches Bewusstsein. Es sind die täglichen Erfahrungen, die er während bzw. durch seiner Arbeit sammelt, die den Proletarier zum revolutionären Subjekt machten.
Zwischen dem Proletarier, der die Geschichte von etwa 18?? bis 19?? bestimmte und den Menschen von heute, dem selbständigen Unternehmer, dem Lehrer, dem Abgeordneten, kurz jedem irgendwie Erwerbstätigen, oder lebenden Menschen muss man keinen Unterschied ausmachen. Dann erübrigt sich aber die Debatte um revolutionäre Klasse, um Revolution, Sozialismus, Kommunismus.
Denn, dass der Friseur und die RTW-Fahrerin eine Weltrevolution selbst unter fachmännischer Anleitung einschlägiger K-Gruppen, vom Zaun brechen, ist wohl kaum anzunehmen.
Im Artikel „Linke Zeitungskriese“ von Ingar Solty (Konkret-Magazin5/24) stellt der Autor fest, „vor 1914 betrug die Gesamtauflage aller sozialdemokratischen Massenorgane 1,4 Millionen“.
(In Deutschland, was der Autor vergisst zu erwähnen und gerechnet auf eine Bevölkerung von damals rund 65 Millionen.)
Es war aber nicht die Auflage, die die Leser schuf, sondern es war umgekehrt, das Sein bestimmt das Bewusstsein, die Menge an Proletariern, die sich für ihre Interessen „interessierten“.
Proletarier waren stolz auf ihre Arbeit, auf ihr gemeinsames Werk, von Depression in der Regel keine Spur. Wäre ja auch zu komisch für eine Klasse, von der nichts weniger als die Weltrevolution erwartet wurde.
Anders als heute, wo vielfach Arme und Hilflose im Zentrum linker Politik stehen. Armut macht aber nicht revolutionär, sondern allenfalls depressiv.
Die Idealisierung der abstrakten Arbeit findet sich übrigens auch heute noch bei den Nachfahren der Arbeiterparteien und den Gewerkschaften.

Um sich als Marxist aus der Affäre zu ziehen, gibt es eigentlich nur eine einzige Option, nämlich, die proletarische Revolution als erledigt zu betrachten. Wenn sie nicht vor, sondern längst hinter uns läge, dann kann die heutige Zusammensetzung der Werktätigen uns relativ schnuppe sein.
Es ist dann auch nicht mehr nötig als Revolutionär selber in den Blaumann zu schlüpfen, wie es in den 70ern zur Mode wurde, -Kleider machen Leute, aber schaffen kein Bewusstsein.
Die Industriearbeiter damals wussten nicht, was ihnen geschah, plötzlich bevölkerten viertel, halbe und ganze Akademiker die Fließbänder. Die meisten „Neoproleten“ haben sich aber nach kurzer Zeit neu orientiert oder sind in die Gewerkschaften und Betriebsräte abgewandert.

Man kann es drehen und wenden wie man will, der Proletarier des letzten Jhd. kommt nicht zurück!
D.h. entweder Marx hat sich geirrt, die Revolution kommt von woanders her, oder die Revolution hat unbemerkt von den marxistischen Seismografen stattgefunden.

Nochmal 1.
Nun verspricht aber eine proletarische Revolution ein bestimmtes Ergebnis, nämlich ein sozialistisches System, in dem das Proletariat den Ton angibt, also die Diktatur des Proletariats.
Als solches könnte man, unter Voraussetzung, die Ideale an der Eingangstür abgelegt zu haben, den modernen Staat ansehen.
„Das Proletariat ergreift die öffentliche Gewalt und verwandelt kraft dieser Gewalt die den Händen der Bourgeoisie entgleitenden gesellschaftlichen Produktionsmittel in öffentliches Eigentum. Durch diesen Akt befreit es die Produktionsmittel von ihrer bisherigen Kapitaleigenschaft und gibt ihrem gesellschaftlichen Charakter volle Freiheit, sich durchzusetzen. Eine gesellschaftliche Produktion nach vorherbestimmtem Plan wird nunmehr möglich.“
(Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft.)


Die „soziale Marktwirtschaft“ bejaht jedoch die planvolle Beeinflussung der Wirtschaft mit den organischen Mitteln einer umfassenden Wirtschaftspolitik auf Grund einer elastischen Anpassung an die Marktbeobachtung. Diese Wirtschaftspolitik führt in sinnvoller Kombination von Geld- und Kredit-, Handels- und Zoll-, Steuer-, Investitions- und Sozialpolitik sowie anderen Maßnahmen dazu, daß die Wirtschaft in Erfüllung ihrer letzten Zielsetzung der Wohlfahrt und der Bedarfsdeckung des ganzen Volkes dient. Diese Bedarfsdeckung hat selbstverständlich auch eine angemessene Versorgung des notleidenden Teils der Bevölkerung zu umfassen.
(Ludwig Erhard, „Wohlstand für alle“)


Was Engels um 1890 visionär beschrieben hat, scheint sich um 1960 bei Erhard verwirklicht zu haben. Natürlich nicht mit den zahllosen Idealen, von der die Wirklichkeit ja in der Regel befreit ist.
Auch die Planung kann ja mit unterschiedlichen Mitteln erfolgen. Anders als die zentrale Planwirtschaft in den ehemaligen Ostblockländern erfolgt bei Ehrhard die Planung indirekt. Der Esel wird nicht geprügelt, damit der den richtigen Pfad nimmt, sondern ihm werden Möhren vor die Füße geworfen, damit er den beabsichtigten Weg einschlägt.
Der Staat wäre dann nicht, wie in der herkömmlichen linken Prosa, der ideelle Gesamtkapitalist, sondern das Ergebnis der proletarischen Revolution, also ein sozialistisches System.
Der marxistische Deadlock, der die revolutionäre Politik weltweit hemmt, das Warten auf eine proletarische Weltrevolution, wäre damit gelöst.

3.Nationalisierung versus Globalisierung
Der Haken an der Sache ist, dass gemäß marxistischer Auffassung das Proletariat die Weltgemeinschaft von den Bedrängern befreit.
Hier muss man sagen, dass der Vater des Marxismus, Karl Marx, und sein Freund Friedrich Engels dem Proletariat zu großzügig ihre eigenen Ideale unterstellt haben. Zu Marx Zeiten war der Nationalismus noch nicht so ausgeprägt wie heute, das Kapital bewegte sich global relativ ungehindert. Daher war die Vorstellung, dass die Weltgemeinschaft insgesamt durch die proletarische Revolution Befreiung erfahren würde, nachvollziehbar.

Aus heutiger Sicht, also mit dem Blick zurück auf rund 150 Jahre Geschichte, lässt sich doch unzweifelhaft erkennen, dass der Peak des politischen Proletariats einherging mit der Entwicklung der modernen Nationalstaaten und geprägt war von Nationalitätenkonflikten.
Es wäre nahezu Irrsinn zu glauben, dass diese Entwicklung entgegen den Ambitionen der revolutionären Klasse stattgefunden haben soll. Ich denke wir sollten, könnten heute, der Tatsache gelassen ins Auge sehen: Das Proletariat war niemals international orientiert sondern immer lokal, regional und national.
Zeigt sich auch an den Belegschaften großer Industrien die jeweils stolz auf ihr Unternehmen waren.
(Krupianer Borsig)
Das erklärt im Übrigen auch die Differenzen innerhalb der Linken, den ewigen Streit zwischen den Sozialisten und den Kommunisten.
Der Sozialismus besteht im Aufbau der staatlichen Organisation des gesellschaftlichen Lebens. Hier wird die organisatorische, institutionelle Herrschaft errichtet, die den Menschen in ihren Klauen hält.
Das Individuum muss zum Ganzen passen es muss Staatsbürger werden, das erzwingt permanente Gängelung, Erziehung und Strafe. Das Volk ist alles, der einzelne ist nix.
Während der Kommunismus die Befreiung des Menschen von jeglicher Herrschaft bedeutet.
Beide Strömungen sind innerhalb der Linken vertreten, ohne dass es ihnen bewusst ist.
So vertritt die Wagenknecht-Fraktion in Deutschland, den starken Staat der sich um die sozialen Belange der Bevölkerung zu kümmern hat. Sie idealisiert die Arbeit wie andere Arbeiterromantiker z.B. SPD und Gewerkschaften und lehnt das BGE ab.
Lieber irgendwelche Arbeitsplätze bereitstellen, die dem Besitzer erlauben, „davon gut leben zu können“, als Staatsknete für umme.
Zum guten Leben gehört aber heute eine Arbeit, die demjenigen, der sie ausführt, Spaß macht, eine Arbeit also, die das individuelle Leben bereichert, wegen der man gerne morgens aus den Federn krabbelt und keine Arbeit, die lediglich notwendig ist, um das biologische Leben zu erhalten.
Erwerbsarbeit für jedermann kann daher heute nicht Ziel einer revolutionären Bewegung sein.
Das ist eindeutig Sozialismus, und heute im hohen grade reaktionär.
Die andere Richtung hat eher eine starke Persönlichkeitsentwicklung des Menschen im Auge, was in Richtung Kommunismus tendiert.

4. Die Internationale
Die Internationale, die Hymne der Arbeiterbewegung, die die Proletarier aller Länder auffordert sich zu vereinigen, trägt diese widersprüchlichen Ziele ebenfalls in sich und belegt daher meine Vorstellungen.
Die erste Fassung des Textes entstand ca. 1871 nach der Zerschlagung der Pariser Kommune.
Eine Epoche, in der das Proletariat zunehmend auch als politische Kraft in Erscheinung trat.

Die Nationalstaaten, wie wir sie heute kennen, waren noch nicht so ausentwickelt und das Kapital bewegte sich global nahezu ungehindert.
Zwischen 1871 und 2024 liegen rund 153 Jahre.
Eine nicht bedeutende Zeitspanne gemessen am Zeitalter der Menschheit, aber die Diskrepanz zwischen dem Menschen, der 1871 seine Hoffnungen und Ideale für eine bessere Zukunft in den Text einarbeitete und dem, der heute, also 153 Jahre später auf die Geschichte zurückblickt, ist erheblich.

Damals beherrschte, aus Gründen, die Auffassung das politische Denken, das Proletariat sei global orientiert. Im Rückblick auf 153 Jahre Geschichte ist zu erkennen, dass es sich bei dieser Auffassung um einen Trugschluss, um Wunschdenken handelte.
Nichts hat die Zeit der Arbeiterbewegungen mehr geprägt als die Entstehung von Nationalstaaten und Nationalitätenkonflikte. Das zieht sich bis in die heutige Zeit. Nationalismus ist offensichtlich wesentliches Element proletarischen “Denkens”.
Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass die Diktatur des Proletariats = Sozialismus am Ende aussieht wie ein Nationalstaat. Und davon existieren heute rund 200 auf dem Globus.
Damit hat das Proletariat schon längstens seine revolutionäre Schuldigkeit getan.
Übrigens wird die Internationale noch immer von einigen Gruppierungen mit Freude gesungen, insbesondere bei solchen die der Arbeiterromantik erlegen sind, z.B. bei den Linken, der SPD und den Jusos steht sie noch hoch im Kurs.
Nur mit der internationalen proletarischen oder menschlichen Verbrüderung nehmen es die modernen Revolutionäre dann doch nicht so ernst.
So unterscheidet sich z.B. der Mindestlohn in der EU erheblich, von 2,82 € in Bulgarien bis zu 14,80 € in Luxemburg.
Internationale Solidarität würde vielleicht versuchen, das Lohngefälle anzugleichen. Aber falsch gedacht. Das deutsche „Proletariat“, mit der Internationalen auf den Lippen, lässt lieber Bulgaren den hiesigen Spargel stechen, da er sonst zu teuer würde.
Zurück zur „Internationalen“

Die Ambivalenz zwischen individueller Freiheit =Kommunismus/Anarchismus und institutionalisierter Führung = Sozialismus ist bereits im Liedtext verewigt.

Die Völker, an die sich der Refrain richtet („Völker hört die Signale“), sind ein Synonym für die damals noch im Entstehen befindlichen Nationalstaaten.
Während sich der Strophentext eher an das Individuum, an seine individuelle Freiheit richtet.
„Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger
Alles zu werden, strömt zuhauf!“

Wir sehen der ewige Streit zwischen den Linken, hier ein starker Staat =Sozialismus (Wagenknecht) dort eine starke Persönlichkeitsentwicklung =Kommunismus/Anarchie (andere), wird in dem Lied harmonisiert.

5.Sozialismus, und gut ist?
Wenn wir im Sozialismus leben, wie meine These behauptet, ist die Welt ja in bester Ordnung?
Nein, die Zustände an der Welt haben sich dadurch nicht verändert. Nur der Blick darauf.
Ob man die Erde als Mittelpunkt des Universums betrachtet oder als einen kleinen Planeten der um die Sonne kreist, ändert weder das Wetter noch die soziale Gemeinschaft der Menschen.
Der andere Blick erlaubt es aber die Gegenwart eher zu verstehen und andere Wege aus den Krisen zu versuchen oder neue (politische) Ziele zu formulieren.
Die globale Verantwortung des Menschen setzt m.E. bei ihm selbst an. Solange rund 1 Mrd. Menschen in absoluter Armut leben kann man zwar bei uns in D den Müll trennen und sich neben seinen Verbrenner noch ein E-Auto leisten, es ändert aber eben nichts an den globalen Problemen.
Ich will dem deutschen Mittelstand seinen Lebensstandard nicht vermiesen, es geht auch nicht darum das wir alle unsere Habseligkeiten mit den Armen teilen. Wenn jeder seinen Mantel durchschneidet und die Hälfte weg gibt frieren alle und niemanden ist geholfen.

Die globale Armut bekämpft man aber offensichtlich nicht mit der bisherigen Methode. Z.B. Entwicklungshilfe. Und das hat seinen Grund, weil hier Institutionen miteinander Geschäfte machen.
Deutschland z.B. gewährt Entwicklungshilfe unter der Prämisse, dass das Goetheinstitut in dem Land arbeiten darf, oder dass das Unternehmen xyz Rechte erhält Holz zuschlagen. Die Entwicklungshilfe geht aber nicht an die Menschen in dem entsprechenden Partnerland sondern an die Regierung des Landes.
Kurz hier handeln zwei Institutionen miteinander über die Köpfe der Betroffenen hinweg. Hier sieht man auch die Ursache für die politisch motivierten Regime Change. Es werden Regierungen benötigt, die dem einen Nationalstaat Zugriff auf Ressourcen des Partnerlandes gewähren.
Eine bessere Methode gegen die globale Armut vorzugehen und Korruption weitestgehend auszuschließen liegt z.B. im globalen BGE. Wenn jedem Menschen auf der Welt monatlich eine feste Summe Geldes zugänglich gemacht wird, könnte die Armut von unten her beseitig werden.
Mit 20 € pro Mensch und Monat wäre die globale Armut faktisch schlagartig beseitig. Ein globales BGE von 20 € macht über das Jahr rund 2.000 Mrd. € das sind weniger als die Weltgemeinschaft gegenwärtig für Rüstung ausgibt. Das BGE setzt nicht bei der staatlichen Organisation an, also dem sozialistischen Anspruch, sondern fördert direkt die individuelle Freiheit der einzelnen Person.

Grundsätzlich würde auch der Neoliberalismus neu bewertet werden müssen. Denn in der Öffnung der Märkte und der damit verbundenen Zurückdrängung der nationalen Rechtssysteme liegt ja auch sofern meine Auffassung nachvollziehbar ist ein revolutionäres Element. Die Globalisierung führt ja in ihrer Konsequenz zur Auflösung der Nationalstaaten.

6.
Der Staat erstreckt sich über das antagonistische Klassenverhältnis zwischen Kapital und Arbeit und trachtet danach es im nationalen Rahmen zu harmonisieren. Nun ist der Staat ja keine menschenleere Institution, KI gesteuert, sondern mit Menschen angefüllt.
Wie in allen Ordnungen entsteht hier eine neue Schicht, ich vermeide das Wort Klasse. Die Politikerinnen, sie haben den Zugriff auf rund 1/3 des BIP des Staates. Diese Summe fließt ihnen d.H. dem Staat automatisch zu, sie brauchen dafür keinen Handschlag zu tun.

Karl Marx
Kritik des Gothaer Programms
Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei
https://www.marxists.org/deutsch/archiv ... ndglos.htm
Zwischen der kapitalistischen und der kommunistischen Gesellschaft liegt die Periode der revolutionären Umwandlung der einen in die andre. Der entspricht auch eine politische Übergangsperiode, deren Staat nichts andres sein kann als die revolutionäre Diktatur des Proletariats.

Re: Revolution, die globale Vernetzung!

Verfasst: Sa Jun 20, 2026 1:51 pm
von root
Der Forumsbeitrag **„Revolution, die globale Vernetzung!“** entwickelt eine ungewöhnliche marxistische These: Die proletarische Revolution sei nicht eine zukünftige Aufgabe, sondern habe historisch bereits stattgefunden – ihr Ergebnis seien die modernen Nationalstaaten. Die eigentliche revolutionäre Aufgabe heute sei deshalb nicht mehr der Kampf gegen den Kapitalismus innerhalb einzelner Staaten, sondern die Überwindung des Nationalstaatensystems zugunsten globaler Strukturen. ([dadabit.de][1])

## Zentrale These


Der Autor behauptet:

* Die klassische proletarische Revolution liegt bereits hinter uns.
* Die heutigen Nationalstaaten seien faktisch die „Diktatur des Proletariats“ bzw. eine Form des Sozialismus.
* Die Menschheit befinde sich deshalb bereits in einer Übergangsphase vom Sozialismus zum Kommunismus.
* Das eigentliche Hindernis für menschliche Freiheit und die Lösung globaler Probleme seien heute die Nationalstaaten selbst. ([dadabit.de][1])

---

## Argument 1: Der Staat ist nicht „ideeller Gesamtkapitalist“

Der Autor kritisiert die in Teilen der marxistischen Linken verbreitete Vorstellung, der Staat diene grundsätzlich den Interessen des Kapitals.

Seine Gegenargumente:

* Staaten investieren große Teile gesellschaftlicher Ressourcen in Bildung, Infrastruktur, Gesundheit und Sozialsysteme.
* Nationale Politik vermittelt zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Interessen und nicht nur zugunsten des Kapitals.
* Die Erklärung „alles dient dem Kapital“ könne die historische Entwicklung moderner Staaten nicht ausreichend erklären.
* Die marxistische Theorie müsse angesichts von 140 Jahren weiterer Geschichte über Engels hinaus weiterentwickelt werden. ([dadabit.de][1])

---

## Argument 2: Der moderne Staat ähnelt eher einem „proletarischen Staat“

Der Autor schlägt eine Gegeninterpretation vor:

* Unternehmen erzeugen Mehrwert.
* Der Staat schöpft einen erheblichen Teil davon über Steuern und Abgaben ab.
* Diese Mittel werden für öffentliche Aufgaben verwendet.
* Unternehmen seien daher eher „Melkkühe“ der Gesellschaft als deren Herren. ([dadabit.de][1])

Daraus folgert er:

* Der moderne Wohlfahrtsstaat könne als Ergebnis einer erfolgreichen proletarischen Revolution verstanden werden.
* Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen drehen sich heute hauptsächlich um die Verteilung zwischen Markt und Staat. ([dadabit.de][1])

---

## Argument 3: Nationalismus ist das reale Ergebnis der Arbeiterbewegung

Ein zentraler Gedanke des Beitrags lautet:

* Die Arbeiterbewegung habe historisch nicht Internationalismus hervorgebracht.
* Tatsächlich seien Nationalstaaten und nationale Identitäten gestärkt worden.
* Die Begeisterung vieler Arbeiter für Kriege und nationale Projekte spreche gegen die Annahme eines grundsätzlich internationalistischen Proletariats.
* Nationalismus sei eher ein Bestandteil proletarischer Politik gewesen als deren Gegenteil. ([dadabit.de][1])

Der Autor verweist dabei auf:

* den Ersten Weltkrieg,
* die Entwicklung nationaler Arbeiterparteien,
* nationale Interessengegensätze bis heute. ([dadabit.de][1])

---

## Argument 4: Das historische Proletariat existiert nicht mehr

Der Autor hält die klassische marxistische Revolutionsvorstellung für überholt.

Begründung:

* Das Industrieproletariat des 19. Jahrhunderts sei verschwunden.
* Moderne Erwerbstätige bildeten keine vergleichbare soziale Kraft.
* Die Ausweitung des Begriffs „Arbeiterklasse“ auf nahezu alle Lohnabhängigen sei theoretisch problematisch.
* Eine klassische proletarische Weltrevolution sei deshalb unrealistisch. ([dadabit.de][1])

Folgerung:

* Entweder habe Marx sich geirrt,
* oder die proletarische Revolution habe bereits stattgefunden und die heutigen Staatsformen hervorgebracht. ([dadabit.de][1])

---

## Argument 5
: Sozialismus und Kommunismus sind verschiedene Richtungen

Der Autor unterscheidet scharf zwischen:

### Sozialismus


* Aufbau starker staatlicher Organisationen
* Integration des Individuums in die Gemeinschaft
* Erziehung zum Staatsbürger
* Vorrang des Kollektivs vor dem Einzelnen ([dadabit.de][1])

### Kommunismus

* Befreiung des Individuums
* Abbau von Herrschaft
* freie Persönlichkeitsentwicklung
* Überwindung institutioneller Zwänge ([dadabit.de][1])

Die modernen Nationalstaaten ordnet er der ersten Kategorie zu.

---

## Argument 6: Das eigentliche Problem sind die Nationalstaaten

Der Autor sieht globale Herausforderungen als unlösbar innerhalb des Nationalstaatensystems.

Genannte Beispiele:

* Klimawandel
* Migration
* Artensterben
* globale Armut
* Kriege und Vertreibungen ([dadabit.de][1])

Seine Begründung:

* Nationalstaaten verfolgen eigene Interessen.
* Dadurch entstehen dauerhafte Konflikte.
* Die etwa 200 Staaten der Welt seien strukturell unfähig, globale Probleme gemeinsam zu lösen. ([dadabit.de][1])

---

## Politische Schlussfolgerung

Die heutige revolutionäre Aufgabe bestehe nicht im Aufbau weiterer Nationalstaaten oder in einer nationalen sozialistischen Politik, sondern in:

* der Überwindung nationalstaatlicher Organisation,
* der Entwicklung globaler Institutionen,
* einer stärkeren Orientierung auf individuelle Freiheit,
* einer weltweiten Solidarität jenseits nationaler Grenzen. ([dadabit.de][1])

---

## Konkreter Vorschlag
: Globales Grundeinkommen

Als Beispiel nennt der Autor ein globales bedingungsloses Grundeinkommen:

* Es würde direkt den einzelnen Menschen erreichen.
* Es umgehe nationale Machtstrukturen.
* Es könne globale Armut wirksamer bekämpfen als klassische Entwicklungshilfe.
* Es stärke individuelle Freiheit statt staatlicher Kontrolle. ([dadabit.de][1])

---

## Kurzfazit


Der Beitrag vertritt eine revisionistische marxistische Position:

1. Die proletarische Revolution habe bereits stattgefunden.
2. Ihr historisches Ergebnis seien die modernen Nationalstaaten.
3. Die Linke analysiere die Gegenwart falsch, weil sie weiterhin auf eine kommende proletarische Revolution warte.
4. Das zentrale Problem sei heute nicht primär Kapital gegen Arbeit, sondern die nationale Zersplitterung der Menschheit.
5. Eine zukünftige emanzipatorische Politik müsse global und individualistisch statt nationalstaatlich organisiert sein. ([dadabit.de][1])

[1]: viewtopic.php?t=482 "Revolution, die globale Vernetzung! - Globales Grundeinkommen jetzt"